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Mitteldeutsche Wirtschaft Ausgabe 01/2021

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SCHWERPUNKT DURCH DIE

SCHWERPUNKT DURCH DIE KRISE KOMMEN Die Folgen der Pandemie Das weltweite Erstarren der Wirtschaftstätigkeit ließ die Erwartungen der Firmen in der IHK-Konjunkturumfrage auf ein in den letzten 30 Jahren noch nie dagewesenes Tief sinken. In Zahlen ausgedrückt: ein Saldo von Minus 60 Prozentpunkten. Fünf Fakten zu den ökonomischen Konsequenzen 1. Investitionen zurückgestellt Fast alle Unternehmen haben strategische Entscheidungen beispielsweise zu Investitionen überdacht oder erst einmal zurückgestellt. Im zweiten Quartal wurden die Erwartungen dann deutlich optimistischer. Während der Sommer-Entspannung im dritten Quartal erholten sich viele Branchen – allerdings nicht die weiterhin von Einschränkung betroffenen Betriebe. Gegen Jahresende trüben die erneut gestiegenen Infektionszahlen die Stimmung, dies ist jedoch inzwischen mit weniger Verunsicherung verbunden. 2. deutlich weniger Nachfrage Die prägendste Erfahrung im Corona-Jahr 2020 lag für die meisten Unternehmen des IHK-Bezirks in der im Frühjahr aufgrund von Kontaktbeschränkungen und Schließungsanordnungen plötzlich eingebrochenen Nachfrage. Doch auch danach konnten sich viele Bereiche durch fortbestehende Einschränkungen nicht erholen. Rund 60 Prozent der Firmen rechnete Ende November 2020 mit einem Umsatzrückgang gegenüber 2019 – ein Fünftel ging von Rückgängen bis zehn Prozent, ein Viertel bis 25 Prozent und rund 15 Prozent von noch größeren Einbußen aus. Weitere Herausforderungen: Personalengpässe durch den Ausfall von Mitarbeitern, Stornierung zukünftiger Aufträge sowie logistische Barrieren bei Zulieferprodukten. Die stärksten Umsatzrückgänge verzeichneten Gastgewerbe und Tourismus, gefolgt von Verkehrsgewerbe und Kfz-Handel. 3. Eigenkapitalschwäche verschärft sich Die Finanzlage hat sich im Verlauf der Corona-Krise bei rund der Hälfte der regionalen Unternehmen verschlechtert. Etwa ein Drittel hat sein Eigenkapital teilweise aufgebraucht. Ein Viertel verzeichnet anhaltende Liquiditätsengpässe. Von einer drohenden Insolvenz gehen bisher jedoch nur wenige aus. Blitzumfrage unter Unternehmen im IHK-Bezirk Halle-Dessau Ende November 2020 4. Arbeitsmarkt weitgehend stabil Das umfassend eingesetzte Kurzarbeitergeld trug dazu bei, die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt gering zu halten. So gab es in der Region kaum Rückgänge bei der Beschäftigung. Die Arbeitslosenquote im IHK-Bezirk stieg seit Ende 2019 lediglich um etwa ein Prozent auf aktuell 7,8 Prozent. Die Zahl der Kurzarbeiter aber erreichte im April mit über 100.000 Personen in mehr als 15.000 Betrieben Sachsen-Anhalts einen neuen Rekordstand. Zeitweise waren fast 13 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Sachsen-Anhalts in Kurzarbeit. Bereits im Juli hatten sich diese Zahlen aber schon wieder halbiert. 5. mehr Digitalisierung, weniger Bürokratie Nicht zuletzt durch die Erfahrung der Corona-Krise plant die Hälfte der Unternehmen die Digitalisierung auszubauen sowie ihre Online-Präsenz und -Kundengewinnung zu verstärken. Viele Firmen wünschen sich dabei staatliche Unterstützung. Doch als wichtigste Aufgabe der Politik sehen sie die Bürokratieentlastung. IHK Halle-Dessau Standortpolitik Danny Bieräugel Tel. 0345 2126-236 dbieraeuge@halle.ihk.de 12 MITTELDEUTSCHE WIRTSCHAFT DAS WIRTSCHAFTSMAGAZIN DER INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMER HALLE-DESSAU 01/2021

SCHWERPUNKT DURCH DIE KRISE KOMMEN Staatliche Coronahilfe: Reicht das Geld? Was die staatliche Unterstützung für die Wirtschaft in der Corona-Krise betrifft, bringt fast jeder Tag eine neue Ankündigung. Es ist gar nicht so leicht, hier den Überblick zu behalten (siehe dazu auch die Übersicht auf Seite 26 oder besser noch: im Internet unter www.halle.ihk.de/ coronavirus). Ein Beispiel: Nachdem das Antragsverfahren für die sogenannte Novemberhilfe schließlich am 25. des betreffenden Monats freigeschaltet wurde, sorgten technische Probleme für eine Verzögerung. Die endgültige Abwicklung dürfte erst Mitte oder gar Ende Januar erfolgen, so zumindest der Kenntnisstand bei Redaktionsschluss der „Mitteldeutschen Wirtschaft“. Immerhin waren nach Angaben der Bundesregierung in den ersten beiden Wochen nach Antragsbeginn erste Abschlagszahlungen geflossen, bundesweit gut 400 Millionen Euro. In dieser Zeit seien auf der Antrags-Plattform insgesamt mehr als 150.000 Anträge eingegangen. Die Obergrenze für Unternehmen wurde – so kündigten es Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsministerium am 8. Dezember 2020 an – im laufenden Verfahren von 10.000 auf 50.000 Euro erhöht. In der Diskussion mit der Politik drängen IHK-Vertreter ebenso kontinuierlich wie nachdrücklich darauf: Die nackten Zahlen beantworten die zentralen Fragen für Unternehmen nicht, wenn es nach Monaten der Flaute ums Überleben geht: Kommt das Geld rechtzeitig? Und reicht es auch? IHK Halle-Dessau Stellvertretender Hauptgeschäftsführer Reinhard Schröter Tel. 0345 2126-266 rschroeter@halle.ihk.de Zwei Stimmen aus der regionalen Unternehmerschaft „ Auf weitere Dauer existenzgefährdend Wir sind von einem bisher einzigartigen Ausfall unseres Geschäfts betriebes betroffen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden wir mindestens bis weit in das Jahr 2021 hinein spüren. Die Angebote des Bundes mit der Corona-Soforthilfe, der ausgeweiteten Kurzarbeiterregelung und den Überbrückungshilfen I und II decken die Verluste nicht. Dennoch haben wir dankbar die verschiedenen Programme NEUSTART KULTUR des Bundes angenommen. Die pandemiebedingten Investitionshilfen sind beantragt. Für Musikveranstaltungen sind Zuschüsse gewährt worden. Allerdings berücksichtigen diese Programme bestimmte Bereiche wie Kabarett oder Comedy nicht. Uns gehen unverschuldet Monat für Monat Beiträge verloren, die in Summe und auf weitere Dauer existenzgefährdend sind. Für diesen Verlust gibt es zurzeit keine Hilfen von Bund und Land. Hier muss nachgesteuert werden!“ Rudenz Schramm, Geschäftsführer der event-net gmbh in Halle (Saale) und Mitglied der IHK-Vollversammlung Schnell und unkompliziert „ Wie aus unserer 7. Unternehmerkundenstudie hervorgeht, hat knapp die Hälfte der Unternehmen in der Region Halle staatliche Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch genommen. Mehr als jeder Fünfte hat dabei Zuschüsse der Investitionsbank Sachsen-Anhalt genutzt. Weitere acht Prozent haben auf Hilfskredite der KfW zurückgegriffen. Damit ließ sich der Liquiditätsbedarf vieler Unternehmen schnell und unkompliziert decken. Und anders als in der Finanzkrise waren die Banken diesmal nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung. 94 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass ihre Bank in der Krise eine große Unterstützung gewesen sei.“ Peter Graul, Leiter Unternehmerkunden der Commerzbank AG in Halle (Saale) und Mitglied des IHK-Ausschusses für Finanzdienstleistungen MITTELDEUTSCHE WIRTSCHAFT DAS WIRTSCHAFTSMAGAZIN DER INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMER HALLE-DESSAU 01/2021 13

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